Autismus und Hochbegabung
Überschneidungen

Differenzen und Überschneidungen von Autismus und Hochbegabung

Erste Hinweise zur geplanten Studie finden sich hier.

Menschen mit Autismus- Spektrum- Störungen und gleichzeitiger intellektueller Hochbegabung sind eine vergleichsweise kleine Gruppe. Wissenschafliche Untersuchungen zu Menschen, die sowohl eine Diagnose Hochbegabung als auch eine diagnostizierte Autismus- Spektrum- Störung haben sind u.a. aus diesem Grund weltweit kaum zu finden. 



Abb: Zusammenhang zwischen Diagnosen Autismus- Spektrum- Störungen und Hochbegabung

 

Ca. 60 % - 70 % der Kinder und Jugendliche mit einer Autismus- Spektrum- Störung weisen eine geistige Behinderung auf. 30% - 40% der Betroffenen liegen demnach im Bereich der (unter-) durchschnittlichen bis überdurchschnittlichen Intelligenz.
Eine kleine Gruppe von Menschen mit einer Autismus- Spektrum- Störung zeigt intellektuelle Leistungen im Bereich der Hochbegabung.


In einer Untersuchung fanden Cederlund, Hagberg, Billstedt, Gillberg & Gillberg (2007) bei 3% bis 6% der Untersuchungsteilnehmer mit Asperger- Syndrom eine intellektuelle Hochbegabung. Da nur sehr wenige Untersuchungen vorliegen, die eine differenzierte Darstellung der Intelligenzverteilung auch im Bereich der Hochbegabung angeben, darf die genannte Zahl nur sehr vorsichtig interpretiert werden.
Für alle Autismus- Spektrum- Störungen wird diese Zahl erheblich geringer ausfallen.




Differentialbetrachtung

Symptomatische Ähnlichkeiten beider Gruppen (ASS, HB) können z.B. im Verhalten im Vorschulalter bestehen. So haben Kinder mit Autismus und auch hochbegabte Kinder oft Interessen, die weit über das Interessenspektrum der Altersnorm hinausgehenden. Dies kann bei hochbegabten Kindern u. U. zu einer sozialen Abgrenzung von der Gruppe führen, ist aber vom Sozialverhalten autistischer Kinder anzugrenzen.

Hier erfolgt der vereinfachte Versuch, die verschiedenen Charakteristika und die Symptomatik differenziert darzustellen.

(Die unten beschriebenen Merkmale treffen in vielen Fällen zu, sind jedoch nicht immer zu beobachten.)

Kinder und Jugendliche mit:

Hochbegabung

HB und ASS

Asperger- Syndrom / HFA

soziale Kompetenz

meist unauffällig, u. U. sekundäre Probleme

eingeschränkt, kognitive Kompensation

eingeschränkt

Empathie

vorhanden

wenig ausgeprägt

wenig ausgeprägt

Blickkontakt

unauffällig

wenig sozial moduliert

wenig sozial moduliert

Gestik / Mimik

normal

oft eingeschränkt in Verständnis und Verwendung

oft eingeschränkt in Verständnis und Verwendung

Suche nach Freunden

(auf gleicher Entwicklungs-

Stufe)

Ja, i.d.R sozial integriert

vorhanden, aber z.T. eingeschränkt

vorhanden, aber z.T. eingeschränkt

Sprache

sehr früh, unauffällig

normale Entwicklung, „erwachsene“ Sprache

normale Entwicklung, „erwachsene“ Sprache

Prosodie

unauffällig

wenig moduliert, „roboterhaft“

wenig moduliert, „roboterhaft“

Pragmatik

normal

Probleme mit Gesprächsregeln,

Hang zum Monologisieren

Probleme mit Gesprächsregeln,

Hang zum Monologisieren

Humor, Witze, Ironie, Zwei- deutigkeiten verstehen

unauffällig bis gut

Verständnisprobleme, Kompensation durch Lernen

oft Verständnisprobleme

Motorik

unauffällig

ungeschickt, steif

ungeschickt, steif

Geschlecht

gleich verteilt

mehr männlich

mehr männlich

gesamt - IQ

IQ  > 130

IQ > 130

IQ >  ca. 80

Intelligenzprofil

inhomogen, unterschiedlich

inhomogen, charakteristisches Profil

inhomogen, charakteristisches Profil

Denkstil

flexibel, kreativ

eher unflexibel

eher unflexibel

Gedächtnis

sehr gut

sehr gut, bes. auf bestimmten Gebieten

sehr gut, bes. auf bestimmten Gebieten

Interessen

vielseitig, wechselnd

einseitig, außergewöhnlich

(aber auch wechselnd)

einseitig, außergewöhnlich:

(aber auch wechselnd)

Interesse an Sport

normal

eher nicht

eher nicht

Routinen

meist flexibel im Alltag

wenig Toleranz für spontane Änderungen

wenig Toleranz für spontane Änderungen

Stereotypien

(v.a. motorische)

keine

teilweise, eher in Kindheit und bei Aufregung

teilweise, eher in Kindheit und bei Aufregung

Die Zusammenstellung (Knorr, 2007) bezieht sich auf:

Burger-Veltmeijer, A.E.J. (2007). Gifted or autistic? The 'grey zone'. In: K. Tirri &               M. Ubani (Eds), Policies and programs in gifted eduction. Helsinki:                      University of Helsinki. Download: http://www.agnesburger.nl/

Gallagher S. A. & Gallagher J. (2002). Giftedness and Asperger's Syndrome: A New Agenda for Education. Understanding our gifted, 14 (2), 7-12.

Henderson, L. (2001). Asperger's Syndrome in Gifted Individuals. Gifted Child Today, 24 (3), 28-35.

Spitczok von Brisinski, I. (2003). Asperger-Syndrom, AD(H)S, Hochbegabung - differentialdiagnostische Aspekte. Forum der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 13 (4) , 52-72.


Fördermaßnahmen (nicht vollständig)


© Philipp Knorr, 2007