"Unter
(Hoch-)Begabung werden die kognitiven, motivationalen und sozialen
Möglichkeiten des Individuums verstanden, auf einem oder mehreren
Gebieten gute bis herausragende Leistungen zu erzielen." (Perleth, 2006)
Modell zur Hochbegabung:

Auf der Seite Netzwerk Hochbegabung wird dies Modell sehr anschaulich erklärt:
Hochbegabung ist die Disposition
für herausragende Leistungen, nicht die Hochleistung selber.
Hochbegabung setzt sich zusammen aus sehr guter Motivation, sehr guter
Kreativität und aus überdurchschnittlichen Fähigkeiten
auf einem oder mehreren Gebieten.
Hochbegabung
wird nicht nur durch die Höhe der Intelligenz bestimmt, sondern
durch das Wechselspiel verschiedener Bedingungen, die sowohl in dem
Kind/Jugendlichen liegen können als auch in dem familiären
und außerfamiliären Umfeld.
Voraussetzungen für die Realisierung einer Hochbegabung, die in
dem Kind selbst liegen, können folgende Faktoren sein:
- Die intellektuelle Denkfähigkeit und/oder andere Begabungen müssen gut und überdurchschnittlich entwickelt sein.
- Die Fähigkeit zur Stressbewältigung ist eine Voraussetzung, um Begabung auch in belastenden Situationen einsetzen zu können.
- Leistungsmotivation
ist die Fähigkeit, aufgabenorientiert an Problemstellungen
herangehen zu können. Fleiß und Ehrgeiz kommen dabei zum
Ausdruck.
- Lösungswege werden nicht nur
auf bekannten Pfaden beschritten, oft ist es eine Herausforderung
für hochbegabte Kinder und Jugendliche, neue Lösungen
für die Aufgabenstellungen zu suchen. Dazu ist kreatives Denken und Neugierde von Bedeutung.
- Anstrengungsbereitschaft und die Freude am Tun und Denken zeichnen hochbegabte Kinder und Jugendliche aus.
- Lernen will gelernt sein, dies gilt auch für Hochbegabte. Richtige Lernstrategien
sind effizient im Umgang mit den Lerninhalten, dies wiederum kann
helfen, die Prüfungssituation bewältigen zu können.
- Um die eigenen Begabungen zu
kennenzulernen, diese realistisch einschätzen und auch umsetzen zu
können, ist die Fähigkeit zur Selbstkontrolle
notwendig. Erfahrungen von Erfolg und Misserfolg sind mitverantwortlich
für das Bild, das eine Person von sich entwickelt hat.
Neben
den oben genannten intrapersonalen Voraussetzungen sind für die
Entwicklung und Ausbildung von besonderen Begabungen auch
Einflüsse des Umfeldes relevant.
- Die Familiensituation,
das familiäre Klima, das Interesse an Bildung, etc hat einen
entscheidenden Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung und die
Begabungsentwicklung des Kindes.
- Die Situation in Kindergarten und Schule ist auch mitentscheidend für die Umsetzung der Begabung in Hochleistung.
Das Schulklima, die Fördermöglichkeiten, das Lernangebot, die
Unterrichtsformen, die Kenntnis über Fakten der Hochbegabung, die
Akzeptanz der Hochbegabung und der Hochbegabten beim Lehrer, bei
Mitschülern etc. sind nur einige Faktoren, die in der Schule von
fördernder oder hemmender Bedeutung sind.
- Der Einfluss des Freundeskreises
/ peers ist ein ebenfalls bedeutsamer. Gleichaltrige,
Gleichbefähigte, Freunde haben in der Bewertung von bestimmten
Verhaltensweisen eine große Bedeutung.
Sind
die intrapersonalen Faktoren und die Umweltbedingungen positiv, so
können wir davon ausgehen, dass die Persönlichkeits- und die
Begabungsentwicklung relativ problemfrei verlaufen wird. Sind in einem
oder mehreren Bereichen, die Bedingungen nicht günstig, so ist zu
erwarten, dass Probleme in der Begabungs- und Selbstwertentwicklung
auftauchen werden.
(entnommen aus: Netzwerk Hochbegabung)
Von
intellektueller Hochbegabung spricht man i.d.R. ab einem
testpsychologisch ermittelten Intelligenzquotienten (IQ) von
über 130. Dies betrifft durchschnittlich ca. 2 % der
Bevölkerung.
Diese Grenze hat sich zwar etabliert, sie ist jedoch nicht unumstritten.
Merkmale für Hochbegabung
Nicht
alle der u. g. Merkmale treffen bei allen hochbegabten Kindern zu. Wenn
viele Merkmale bei einem Kind auffallen, sollte eine genauere
Diagnostik erfolgen. Checklisten ersetzen auf keinen Fall eine
gründliche psychologische Diagnostik! (vgl. kritischer Artikel zu Checklisten)
Diese Checkliste wurde übernommen aus der Broschüre: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2003): Begabte Kinder finden und fördern.
Merkmale des Lernens und Denkens bei motivierten hochbegabten Kindern
- sehr hohes Detailwissen in einzelnen Bereichen
- ungewöhnlich großer Wortschatz für ihr Alter,
- ausdrucksvolle, ausgearbeitete und flüssige Sprache,
- schnelles Merken von Fakten,
- schnelles Durchschauen von Ursache-Wirkung-Beziehungen,
- Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden,
- schnelles Erkennen von grundlegenden Prinzipien,
- schnelles Herstellen gültiger Verallgemeinerungen,
- gute Beobachtungsgabe,
- lesen viel und vor allem Bücher, die über ihre Altersstufe deutlich hinausgehen,
- denken kritisch, unabhängig und wertend.
Arbeitshaltung und Interessen
- Hochbegabte gehen in Problemen völlig auf, wenn sie motiviert sind,
- sie wollen Aufgaben immer vollständig lösen,
- Routineaufgaben langweilen leicht,
- sie streben nach Perfektion,
- sie sind selbstkritisch,
- sie arbeiten gern unabhängig, um Probleme durchdenken zu können,
- sie setzen sich hohe Leistungsziele, die sie mit einem Minimum an Anleitung und Hilfe durch Erwachsene erreichen,
-
sie interessieren sich für "Erwachsenen"-Themen (Umweltfragen,
Politik, Religion, Philosophie, Sexualität, Gerechtigkeit u.a.).
Soziales Verhalten
- Häufige Beschäftigung mit Begriffen wie Gerechtigkeit, Gut-Böse, Recht-Unrecht,
- ausgeprägtes Moralbewußtsein und grundsätzliche Ablehnung körperlicher Gewalt
- Individualismus
- prüfen Meinungen von Autoritäten, bevor sie sie akzeptieren,
- übernehmen Verantwortung,
- zuverlässig in Planung und Organisation,
- bevorzugen meist ältere Spielgefährten oder Erwachsene, sind auf der Suche nach Gleichbefähigten,
- wollen über ihre Situation selbst bestimmen,
- können sich in andere einfühlen und sind daher für politische und soziale Probleme aufgeschlossen.
Förderung hochbegabter Schüler in der Übersicht:
(entnommen aus: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2003): Begabte Kinder finden und fördern.)

Für weitere Informationen sei auf
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2003): Begabte Kinder finden und fördern.
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2001): Zu Entwicklungsschwierigkeiten hochbegabter Kinder und Jugendlicher in Wechselwirkung mit ihrer Umwelt.
Fischer, Ch. & Westphal, U. (o.J.). Internationales Centrum für Begabungsforschung (ICBF). Individuelle Förderung – Begabtenförderung. Beispiele aus der Praxis.
Kurt A. Heller: Hochbegabtenförderung
im Lichte der aktuellen Hochbegabungs- und Expertiseforschung
Pädagogische und bildungspolitische Erfordernisse - Teil 1
Kurt A. Heller: Hochbegabtenförderung
im Lichte der aktuellen Hochbegabungs- und Expertiseforschung
Pädagogische und bildungspolitische Erfordernisse - Teil 2
Wagner, H. (Hrsg.) (2007). Intellektuelle Hochbegabung. Aspekte der Diagnostik und Beratung. Tagungsbericht: Bad Honnef: K.H. Bock (124 S.) Download (ca. 1,9 MB)
Albert Ziegler: Hochbegabtenförderung im Jahr 2006 in Deutschland Kritische Bestandsaufnahme unter besonderer Berücksichtigung der Frühförderung
.
Wagner, H. (Hrsg.)(2008). Underachiever.
Eine psychologische und pädagogische Herausforderung für
Eltern und Schule. Tagungsbericht: Bonn. Verfügbar nur als Download (ca. 4,3 MB)
und die Seiten
DGhK - Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V.
Hochbegabung - Hochbegabtenförderung e.V. verwiesen.
.
Sehr umfangreiche Informationen finden sich hier.
siehe auch unter: aktuelles / Material
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