Autismus und Hochbegabung
Hochbegabung

"Unter (Hoch-)Begabung werden die kognitiven, motivationalen und sozialen Möglichkeiten des Individuums verstanden, auf einem oder mehreren Gebieten gute bis herausragende Leistungen zu erzielen." (Perleth, 2006)


Modell zur Hochbegabung:

 


Auf der Seite Netzwerk Hochbegabung wird dies Modell sehr anschaulich erklärt:

Hochbegabung ist die Disposition für herausragende Leistungen, nicht die Hochleistung selber. Hochbegabung setzt sich zusammen aus sehr guter Motivation, sehr guter Kreativität und aus überdurchschnittlichen Fähigkeiten auf einem oder mehreren Gebieten.

Hochbegabung wird nicht nur durch die Höhe der Intelligenz bestimmt, sondern durch das Wechselspiel verschiedener Bedingungen, die sowohl in dem Kind/Jugendlichen liegen können als auch in dem familiären und außerfamiliären Umfeld.

Voraussetzungen für die Realisierung einer Hochbegabung, die in dem Kind selbst liegen, können folgende Faktoren sein:

  1. Die intellektuelle Denkfähigkeit und/oder andere Begabungen müssen gut und überdurchschnittlich entwickelt sein.
  2. Die Fähigkeit zur Stressbewältigung ist eine Voraussetzung, um Begabung auch in belastenden Situationen einsetzen zu können.
  3. Leistungsmotivation ist die Fähigkeit, aufgabenorientiert an Problemstellungen herangehen zu können. Fleiß und Ehrgeiz kommen dabei zum Ausdruck.
  4. Lösungswege werden nicht nur auf bekannten Pfaden beschritten, oft ist es eine Herausforderung für hochbegabte Kinder und Jugendliche, neue Lösungen für die Aufgabenstellungen zu suchen. Dazu ist kreatives Denken und Neugierde von Bedeutung.
  5. Anstrengungsbereitschaft und die Freude am Tun und Denken zeichnen hochbegabte Kinder und Jugendliche aus.
  6. Lernen will gelernt sein, dies gilt auch für Hochbegabte. Richtige Lernstrategien sind effizient im Umgang mit den Lerninhalten, dies wiederum kann helfen, die Prüfungssituation bewältigen zu können.
  7. Um die eigenen Begabungen zu kennenzulernen, diese realistisch einschätzen und auch umsetzen zu können, ist die Fähigkeit zur Selbstkontrolle notwendig. Erfahrungen von Erfolg und Misserfolg sind mitverantwortlich für das Bild, das eine Person von sich entwickelt hat.

Neben den oben genannten intrapersonalen Voraussetzungen sind für die Entwicklung und Ausbildung von besonderen Begabungen auch Einflüsse des Umfeldes relevant.

  1. Die Familiensituation, das familiäre Klima, das Interesse an Bildung, etc hat einen entscheidenden Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung und die Begabungsentwicklung des Kindes.
  2. Die Situation in Kindergarten und Schule ist auch mitentscheidend für die Umsetzung der Begabung in Hochleistung.
    Das Schulklima, die Fördermöglichkeiten, das Lernangebot, die Unterrichtsformen, die Kenntnis über Fakten der Hochbegabung, die Akzeptanz der Hochbegabung und der Hochbegabten beim Lehrer, bei Mitschülern etc. sind nur einige Faktoren, die in der Schule von fördernder oder hemmender Bedeutung sind.
  3. Der Einfluss des Freundeskreises / peers ist ein ebenfalls bedeutsamer. Gleichaltrige, Gleichbefähigte, Freunde haben in der Bewertung von bestimmten Verhaltensweisen eine große Bedeutung.



Sind die intrapersonalen Faktoren und die Umweltbedingungen positiv, so können wir davon ausgehen, dass die Persönlichkeits- und die Begabungsentwicklung relativ problemfrei verlaufen wird. Sind in einem oder mehreren Bereichen, die Bedingungen nicht günstig, so ist zu erwarten, dass Probleme in der Begabungs- und Selbstwertentwicklung auftauchen werden.

(entnommen aus: Netzwerk Hochbegabung)


Von intellektueller Hochbegabung spricht man i.d.R. ab einem testpsychologisch ermittelten  Intelligenzquotienten (IQ) von über 130. Dies betrifft  durchschnittlich ca. 2 % der Bevölkerung.

Diese Grenze hat sich zwar etabliert, sie ist jedoch nicht unumstritten.

Merkmale für Hochbegabung

Nicht alle der u. g. Merkmale treffen bei allen hochbegabten Kindern zu. Wenn viele Merkmale bei einem Kind auffallen, sollte eine genauere Diagnostik erfolgen. Checklisten ersetzen auf keinen Fall eine gründliche psychologische Diagnostik! (vgl. kritischer Artikel zu Checklisten) 

Diese Checkliste wurde übernommen aus der Broschüre: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2003): Begabte Kinder finden und fördern.

Merkmale des Lernens und Denkens bei motivierten hochbegabten Kindern

- sehr hohes Detailwissen in einzelnen Bereichen

- ungewöhnlich großer Wortschatz für ihr Alter,

- ausdrucksvolle, ausgearbeitete und flüssige Sprache,

- schnelles Merken von Fakten, 

- schnelles Durchschauen von Ursache-Wirkung-Beziehungen,

- Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden,

- schnelles Erkennen von grundlegenden Prinzipien,

- schnelles Herstellen gültiger Verallgemeinerungen,

- gute Beobachtungsgabe,

- lesen viel und vor allem Bücher, die über ihre Altersstufe deutlich hinausgehen,

- denken kritisch, unabhängig und wertend.

Arbeitshaltung und Interessen

- Hochbegabte gehen in Problemen völlig auf, wenn sie motiviert sind,

- sie wollen Aufgaben immer vollständig lösen,

- Routineaufgaben langweilen leicht,

- sie streben nach Perfektion,

- sie sind selbstkritisch,

- sie arbeiten gern unabhängig, um Probleme durchdenken zu können,

- sie setzen sich hohe Leistungsziele, die sie mit einem Minimum an Anleitung und Hilfe durch Erwachsene erreichen,

- sie interessieren sich für "Erwachsenen"-Themen (Umweltfragen, Politik, Religion, Philosophie, Sexualität, Gerechtigkeit u.a.).

Soziales Verhalten

- Häufige Beschäftigung mit Begriffen wie Gerechtigkeit, Gut-Böse, Recht-Unrecht,

- ausgeprägtes Moralbewußtsein und grundsätzliche Ablehnung körperlicher Gewalt

- Individualismus

- prüfen Meinungen von Autoritäten, bevor sie sie akzeptieren,

- übernehmen Verantwortung,

- zuverlässig in Planung und Organisation,

- bevorzugen meist ältere Spielgefährten oder Erwachsene, sind auf der Suche nach Gleichbefähigten,

- wollen über ihre Situation selbst bestimmen,

- können sich in andere einfühlen und sind daher für politische und soziale Probleme aufgeschlossen.



Förderung hochbegabter Schüler in der Übersicht:

(entnommen aus: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2003): Begabte Kinder finden und fördern.)




Für weitere Informationen sei auf

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2003): Begabte Kinder finden und fördern.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2001): Zu Entwicklungsschwierigkeiten  hochbegabter Kinder und Jugendlicher  in Wechselwirkung mit ihrer Umwelt.


Fischer, Ch. & Westphal, U.  (o.J.). Internationales Centrum für Begabungsforschung (ICBF). Individuelle Förderung – Begabtenförderung. Beispiele aus der Praxis.

Kurt A. Heller: Hochbegabtenförderung im Lichte der aktuellen Hochbegabungs- und Expertiseforschung Pädagogische und bildungspolitische Erfordernisse - Teil 1

Kurt A. Heller: Hochbegabtenförderung im Lichte der aktuellen Hochbegabungs- und Expertiseforschung Pädagogische und bildungspolitische Erfordernisse - Teil 2

 

Wagner, H. (Hrsg.) (2007). Intellektuelle Hochbegabung. Aspekte der Diagnostik und Beratung. Tagungsbericht: Bad Honnef: K.H. Bock (124 S.)  Download (ca. 1,9 MB)

 

Albert Ziegler: Hochbegabtenförderung im Jahr 2006 in Deutschland Kritische Bestandsaufnahme unter besonderer Berücksichtigung der Frühförderung

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Wagner, H. (Hrsg.)(2008). Underachiever. Eine psychologische und pädagogische Herausforderung für Eltern und Schule. Tagungsbericht: Bonn. Verfügbar nur als Download (ca. 4,3 MB)


und die Seiten

DGhK - Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V.

 

Hochbegabung - Hochbegabtenförderung e.V.   verwiesen.

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Sehr umfangreiche Informationen finden sich hier.

siehe auch unter: aktuelles / Material